Meister und Lehrling


"Ich muss fort", sagte der Meister zum Lehrling. "Gib auf die Maschine acht, dass sie stetig läuft. Gegen Abend will der Kunde die Ware. Horche vor allem auf das Ventil, ob es nicht undicht wird. Sonst musst Du es sogleich erneuern, auf dass die Ware bereit ist, bis ich mit dem Kunden zurück bin!"

Der Meister ging. Und der Lehrling verfolgte mit gewissenhafter Aufmerksamkeit den steten Lauf der Maschine. "Da! war das nicht ein Stocken?" durchzuckte es ihn. "Schnell will ich nachsehen, ob das Ventil noch ganz ist!" Und um sich zu vergewissern, stellte er die Maschine ab. Das Ventil jedoch war in Ordnung. Und so liess er die Maschine wieder an. Nach einer Weile schien es wieder, als stocke ihr Lauf. Also schaute er nach. So ging es noch weitere Male, dass er unsicher wurde und nachsah. Und als der Meister am Abend mit dem Kunden kam, war die Ware nicht fertig.

"Was tatest Du mit der Maschine?" schalt der Meister den Lehrling. "Ich sah von Zeit zu Zeit nach, wie Du mir befahlst!" erwiderte dieser. "Du Tölpel!" schrie der Meister. "Horchen hiess ich Dich, nicht schauen! Wenn Du den Lauf der Dinge nicht zu kontrollieren vermagst, ohne den Lauf zu hemmen, dann ist, solange die Dinge laufen, Vertrauen besser als Kontrolle. Denn dann laufen sie und stocken nicht!"

"Ich begreife", sagte der Lehrling. Und er hatte begriffen.

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