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Verkehrte Welt
Einem kleinen Mädchen gefiel das Leben in unserer Welt nicht mehr. Immer wurde es
herumgeschubst: Tu dies nicht, tu das nicht. Kaum ein freundliches Wort hörte es,
niemals ein Lob oder eine Anerkennung für seine Bemühungen. Also verliess es
unsere Welt und wanderte auf einen fremden Stern aus, von dem es gehört hatte, dort
sei das Leben erfreulicher. Das war es auch. Alle Menschen, die grossen und die kleinen,
waren freundlich zueinander. Niemand wurde gezwungen, irgendetwas zu tun oder zu lassen.
Alle lachten und spielten miteinander.
Aber noch etwas war ganz anders auf diesem fremden Stern. Alles, was das Mädchen sah, stand auf dem Kopf: Stühle und Tische, Blumentöpfe und Schränke. Und auch Menschen und Tiere gingen umgekehrt herum. Unserer Kleinen wurde ganz schwindelig davon. Sie konnte sich überhaupt nicht daran gewöhnen. Als sie schon so verwirrt war, dass sie überlegte, ob sie nicht doch wieder zur Erde zurückkehren sollte, kam ihr eine Idee. Sie bückte sich und sah durch ihre Beine. Und siehe da: Nun stand nichts mehr auf dem Kopf. Sie konnte das Leben auf dem Stern betrachten, wie sie es von der Erde gewohnt war. Und schon wurde sie wieder munterer. Nur ein Problem hatte sie noch. Leider konnte sie auf diese Weise sich selber vor ihren Augen nicht wieder auf die Füsse stellen. Auch als sie vor einen Spiegel trat, half das nichts: sie sah sich zwar auf den Beinen, aber sie sah auch, dass sie sich bückte und durch ihre Beine sah. Das löste das Problem also nicht. Schon wurde sie wieder traurig und dachte, jetzt muss ich doch zurückkehren, wenn ich es nicht mehr aushalten kann. Da kam ihr die rettende Idee. Der Spiegel ist nur am falschen Platz. Ich muss ihn an der Decke befestigen. Gesagt, getan! Und siehe da: Wenn sie jetzt in den Spiegel blickte, sah sie sich aufrecht stehen, Kopf oben und Beine unten. Das Problem war gelöst. Wie gut die Kleine das Problem lösen konnte, war?????p?? ?U? ihr jedoch in diesem Augenblick noch gar nicht klar. Sie wusste noch nicht, dass man das Sehen trainieren kann, wenn man sich bemüht, auf ganz verschiedene Weisen zu sehen. Irgendwann hatte sie gelernt, umgekehrt zu sehen, ohne dafür den Spiegel über dem Kopf zu benutzen. Ihr könnt euch denken, wie überrascht sie war, als sie eines Tages bemerkte, dass sie sich weder bücken noch in den Spiegel über ihr blicken musste, um alles aufrecht zu sehen. Seltsam dachte sie, was man doch alles lernen kann! Aus: "Der Wächter am Tor zum Zauberwald" von Alexa Mohl -
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